Nach Brandanschlägen auf Parteibüros: Demokratische Kräfte in Flensburg rücken zusammen
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Nach einer Serie von Sachbeschädigungen und versuchten Brandstiftungen an mehreren Parteibüros in der Flensburger Innenstadt haben die betroffenen Parteien Geschlossenheit gezeigt. Vertreter von Grünen, CDU, SPD, Linken und SSW verurteilten die Taten scharf und machten deutlich: Einschüchtern lassen sie sich nicht.
Am Osterwochenende zwischen dem 5. und 7. April 2026 ist es im Bereich der Flensburger Innenstadt zu mehreren Angriffen auf Parteibüros gekommen. Betroffen waren nach Angaben der Polizei die Büros des SSW, von Bündnis 90/Die Grünen, der SPD sowie der Linken.
An den Büros von SSW und SPD wurden Graffiti in den Farben der Deutschlandflagge angebracht. Zudem fanden Ermittler an den Büros der Grünen, der Linken und der SPD sogenannte Molotow-Cocktails mit mutmaßlichem Brandbeschleuniger. Zu einem größeren Brandausbruch kam es nach bisherigem Stand nicht. Allerdings entstanden Rußanhaftungen und oberflächliche Schäden an den Außenwänden. Darüber hinaus wurden Fensterscheiben mehrerer Parteibüros beschädigt. Der Gesamtschaden wird auf einen unteren vierstelligen Betrag geschätzt.
Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Zeugen werden gebeten, sich unter Telefon 0461/4840 oder per E-Mail an k5.flensburg.bki@polizei.landsh.de zu melden.
Auch die betroffenen Parteien äußerten sich in einer gemeinsamen Erklärung. Darin ist von Angriffen auf die Büros von Grünen, CDU, Linken, SPD und SSW in der Nacht zum 6. April die Rede. Nach Darstellung der Parteien wurden an allen Büros Deutschlandflaggen mit Lackfarbe aufgesprüht, zudem seien an einigen Fassaden rechtsextreme Sticker angebracht worden. Am Büro der Grünen sei außerdem eine Glasscheibe beschädigt worden. In der Nacht zum 7. April habe es dann Brandanschläge auf die Büros der Grünen, der Linken und der SPD gegeben.
Annabell Pescher, Vorsitzende der Flensburger Grünen, sprach von feigen Angriffen auf alle Menschen, die sich für die demokratische Gesellschaft engagierten. Diese träfen nicht nur Parteien, sondern ebenso Ehrenamtliche in Vereinen und Nachbarschaften. Man werde nicht weichen und sich weiter für ein vielfältiges Flensburg einsetzen.
Die Flensburger CDU-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Uta Wentzel betonte den Zusammenhalt der demokratischen Parteien. Die Gewalt richte sich gegen ehrenamtlich aktive Mitglieder und sei eine konzertierte Aktion gegen die demokratischen Kräfte insgesamt. Besonders scharf kritisierte sie, dass die deutschen Nationalfarben für die Taten missbraucht worden seien. Schwarz-Rot-Gold stehe für Freiheit, Demokratie und Vielfalt, nicht für Ausgrenzung und Hass.
Für die Linke erklärten die Kreissprecherinnen Jolyn Muijsers und Daniela Zuze, der erneute Brandanschlag sei besonders alarmierend, weil sich ihr Büro in einem Wohnhaus befinde. Dadurch seien konkret Menschenleben in Gefahr geraten. Die Taten seien Ausdruck politisch motivierter Gewalt gegen demokratische Akteure.
SPD-Vorsitzender und Landtagsabgeordneter Kianusch Stender erklärte, man lasse sich von solchen Angriffen nicht beeindrucken. Der offen zutage tretende Hass sei zugleich Ansporn für die politische Arbeit, weil deutlich werde, was Rechtsextremisten gesellschaftlich zur Normalität machen wollten.
Auch Christian Dirschauer, Vorsitzender der SSW-Landtagsfraktion, verurteilte die Angriffe, von denen auch sein Wahlkreisbüro betroffen war. Politische Auseinandersetzungen müssten im demokratischen Diskurs geführt werden. Wer stattdessen zu Vandalismus und Gewalt greife, werde zu einem Fall für Polizei und Justiz. Solche Taten würden die demokratischen Parteien nicht von ihrem Kurs abbringen.
Unter dem gemeinsamen Motto „Wir lassen uns nicht einschüchtern“ machten die Parteien deutlich, dass sie die Angriffe nicht als isolierte Sachbeschädigungen verstehen. Vielmehr sehen sie darin einen gezielten Versuch, demokratisches Engagement in Flensburg zu bedrohen. Nach den Vorfällen setzen sie nun demonstrativ auf Zusammenhalt.