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Bewohner holen Hab und Gut aus Wohnungen – Eigentümer sucht bereits Ersatzwohnungen
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Nach dem Absturz großer Fassadenteile an einem Mehrfamilienhaus in der Apenrader Straße dürfen die Bewohner am Mittwoch persönliche Gegenstände aus ihren Wohnungen holen. Dafür wurde die Straße gegen 14 Uhr erneut vollständig gesperrt. Feuerwehr, Polizei, Ordnungsamt und Notfallseelsorge begleiten die Aktion, die voraussichtlich bis etwa 19 Uhr dauern soll. Anschließend soll die Apenrader Straße wieder halbseitig für den Verkehr freigegeben werden. Unterdessen laufen die Untersuchungen zur Ursache des Schadens. Die Eigentümerseite hat Statiker eingeschaltet, ein Bodengutachten soll folgen. Gleichzeitig werden bereits mögliche Ersatzwohnungen für betroffene Mieter gesucht.

Am Mittwochnachmittag lösten sich erneut Fassadenteile und knallten auf den Wagen
Am Dienstag hatten sich auf einer Länge von mehreren Metern Teile der Fassade gelöst und waren auf den Gehweg sowie einen geparkten Ford Focus Kombi gestürzt. Menschen wurden nicht verletzt. Vorder- und Hinterhaus der Hausnummer 34 wurden daraufhin geräumt.
Das Technische Hilfswerk sicherte das Gebäude bis in die frühen Morgenstunden. Unter anderem wurde das obere Geschoss mit Spannstäben von der Vorder- bis zur Rückseite des Hauses verspannt. Ein Lasersystem überwachte während der Arbeiten mögliche Bewegungen des Gebäudes.
Bewohner holen persönliche Gegenstände aus den Wohnungen
Im besonders betroffenen Vorderhaus läuft der Zugang streng geregelt ab. Nach Angaben von Kevin Andresen, Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr Flensburg, werden die Bewohner nacheinander in ihre Wohnungen begleitet.
Jeweils zwei Bewohner dürfen gemeinsam mit Einsatzkräften eine Wohnung betreten. Dort können sie Medikamente, wichtige Dokumente, Wertsachen und persönliche Erinnerungsstücke zusammenpacken und mitnehmen.
Auch im Hinterhaus erfolgt die Räumung geordnet. Da dieser Gebäudeteil deutlich weniger stark beschädigt ist, können dort mehrere Bewohner in das Haus. Der Zugang wird jedoch nach Etagen organisiert, sodass die Bewohner nacheinander ihre wichtigsten persönlichen Gegenstände aus den Wohnungen holen können.
Während am Nachmittag die Vorbereitungen für die Bergung des Hab und Guts liefen, lösten sich erneut kleinere Fassaden- beziehungsweise Dachsimsteile und stürzten herab. Verletzt wurde auch dabei niemand.
Die gesamte Aktion soll nach derzeitiger Planung bis etwa 19 Uhr andauern.
Insgesamt befinden sich nach Angaben der Eigentümerseite 14 vermietete Wohnungen in beiden Gebäudeteilen. Acht davon liegen im Vorderhaus, sechs im Hinterhaus. Elf Bewohner hatten die Nacht zuvor in Notunterkünften der Stadt Flensburg verbracht.
Gerüsttunnel soll Bewohner vor Fassadenteilen schützen
Vor dem Eingang des Vorderhauses wird zusätzlich ein etwa zwei bis drei Meter langer Gerüsttunnel errichtet.
Wie Einsatzleiter Andresen erklärte, soll dieser einen geschützten Weg aus dem Gebäude ermöglichen. Sollten sich weitere Teile des beschädigten Dachgesimses oder der Fassade lösen, sollen Bewohner und Einsatzkräfte beim Betreten und Verlassen des Hauses geschützt sein.
Der Tunnel führt aus dem sogenannten Trümmerschatten heraus – also aus dem Bereich unmittelbar vor der Fassade, in den herabfallende Bauteile gelangen könnten.
Die Errichtung des Gerüsttunnels wurde nach Angaben Andresens von der Eigentümerseite selbst beauftragt.
Haus nach Schätzung des Eigentümers rund 130 Jahre alt
Das betroffene Gebäude hat bereits eine lange Geschichte. Holger Joppich, Geschäftsführer der Hauseigentümerin, schätzt das Alter des Hauses auf rund 130 Jahre.
Auch auf Seiten der Eigentümerin laufen seit dem Fassadenabsturz umfangreiche Maßnahmen. Joppich erklärte im Gespräch mit Förde.news, dass er selbst zunächst durch eine weitergeleitete WhatsApp-Nachricht mit einem Artikel von Förde.news von dem Vorfall erfahren habe.
Die Nachricht sei für ihn im ersten Moment kaum zu glauben gewesen. Er habe den Artikel zunächst „für KI“, einen schlechten Scherz beziehungsweise einen verspäteten Aprilscherz gehalten.
Nachdem sich herausgestellt hatte, dass der Vorfall tatsächlich passiert war, seien sofort erste Maßnahmen eingeleitet worden. Unter anderem habe man versucht, betroffene Mieter kurzfristig in eigenen Objekten oder über persönliche Kontakte unterzubringen.
Inzwischen stehe die Eigentümerseite in engem Austausch mit dem Bauamt.
Statiker beauftragt – Bodengutachten soll Ursache klären
Nach Angaben Joppichs wurden bereits Statiker eingeschaltet. Zudem würden weitere Sicherungsmaßnahmen wie Gerüst- und Abstützarbeiten in Abstimmung mit den zuständigen Stellen umgesetzt.
Auf Empfehlung des Bauamtes soll außerdem ein Bodengutachten erstellt werden.
Hintergrund ist der Verdacht, dass es möglicherweise zu einer Absenkung im Bereich des Gebäudes gekommen sein könnte. Ob dies tatsächlich der Fall ist und ob ein Zusammenhang mit dem Fassadenabsturz besteht, ist jedoch noch völlig offen.
„Im Grunde genommen kann hier noch keiner begründen, warum es passiert ist“, erklärte Joppich. Die Ursache sei nach wie vor unbekannt.
Erst die weiteren Untersuchungen durch Statiker, Sachverständige und das Bodengutachten sollen zeigen, was den Schaden ausgelöst hat und wie es mit dem Gebäude weitergehen kann.
Welche weiterführenden Maßnahmen am Gebäude notwendig werden, lasse sich derzeit noch nicht abschließend sagen. Dazu müssten zunächst die Einschätzungen der Sachverständigen abgewartet werden.
Bereits Suche nach möglichen Ersatzwohnungen
Parallel bereitet sich die Eigentümerseite darauf vor, dass Bewohner möglicherweise für längere Zeit nicht in ihre bisherigen Wohnungen zurückkehren können.
Bereits am Dienstagabend seien deshalb bekannte Hauseigentümer kontaktiert worden, erklärte Joppich. Von diesen werde eine Liste mit aktuell freien Wohnungen erwartet.
Sollte sich herausstellen, dass einzelne oder sämtliche Mieter längerfristig Ersatzwohnraum benötigen, wolle man ihnen auf diesem Weg bei der Suche helfen.
Apenrader Straße bis zum Abend voll gesperrt
Nachdem die Apenrader Straße am Mittwochmorgen zunächst wieder halbseitig befahrbar gewesen war, wurde sie gegen 14 Uhr erneut vollständig gesperrt.
Die Sperrung beginnt bereits im Bereich der Werftstraße. Dort weist die Beschilderung darauf hin, dass lediglich Anlieger bis zur Baustelle weiterfahren dürfen.
Dennoch fahren zahlreiche Autofahrer weiter in die Apenrader Straße hinein – offenbar in der Hoffnung, über die Terrassenstraße an der Einsatzstelle vorbeizukommen.
Dort angekommen stellen sie jedoch fest, dass die Terrassenstraße als Sackgasse ausgeschildert ist. Die Fahrzeuge müssen wenden und anschließend denselben Weg zurückfahren.
Dadurch entsteht zusätzlicher Verkehr innerhalb des ohnehin stark eingeschränkten Bereichs. Immer wieder fahren Fahrzeuge auf dem Rückweg erneut unmittelbar an der Einsatzstelle vorbei. Besonders im Bereich des Aktiv-Bus-Depots und der Zufahrt zur Terrassenstraße kommt es dadurch zu Wendemanövern, Rückstaus und erheblichen Behinderungen.
Nach Abschluss der begleiteten Wohnungszugänge, voraussichtlich gegen 19 Uhr, soll die Apenrader Straße nach Angaben von Einsatzleiter Kevin Andresen wieder halbseitig geöffnet werden.
Davon profitiert insbesondere der Busverkehr. Sobald die halbseitige Freigabe erfolgt ist, sollen die Busse den Bereich wieder passieren und ihren regulären Linienverkehr aufnehmen können.
Polizei nimmt 25-Jährigen während Absperrmaßnahmen in Gewahrsam
Bereits am Dienstagabend kam es während der Absperrmaßnahmen zu einem weiteren Polizeieinsatz.
Wie Polizeisprecher Til Schulz auf Nachfrage mitteilte, wurden gegen 19.45 Uhr zwei in der Apenrader Straße eingesetzte Polizeibeamte von einem Zeugen darauf aufmerksam gemacht, dass ein Mann an einer Bushaltestelle auf Höhe der Terrassenstraße andere Passanten bedrohen soll.
Die Beamten trafen dort auf einen nach Polizeiangaben augenscheinlich alkoholisierten 25-jährigen Deutschen. Dieser soll sich gegenüber den Einsatzkräften aggressiv verhalten und die Beamten beleidigt und verbal bedroht haben.
Nach der Feststellung seiner Personalien erhielt der Mann einen Platzverweis. Anschließend soll er versucht haben, die Polizeibeamten tätlich anzugreifen.
Der 25-Jährige wurde daraufhin zur Verhinderung weiterer Straftaten in Gewahrsam genommen.
Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie wegen Beleidigung und Bedrohung ein.
Notfallseelsorger begleiten die Bewohner
Neben Feuerwehr und Polizei sind am Mittwoch auch Mitarbeiter des Ordnungsamtes und Notfallseelsorger vor Ort.
Für einige Bewohner ist es das erste Mal seit der Räumung, dass sie ihre Wohnungen wieder betreten. Dort sind die umfangreichen Sicherungsarbeiten des THW teilweise deutlich sichtbar.
Für die Verspannung des Gebäudes mussten an mehreren Stellen Spannstäbe durch die Bausubstanz geführt werden. Damit wurden Vorder- und Rückseite des Hauses miteinander verbunden.
Die Notfallseelsorger stehen bereit, falls Bewohner beim Betreten ihrer Wohnung oder angesichts der Schäden Unterstützung benötigen.
Aktiv Bus Flensburg hat zudem einen Bus an der Einsatzstelle bereitgestellt. Dieser dient den Bewohnern als geschützter Aufenthalts- und Sammelpunkt.
Gebäude nicht einsturzgefährdet – Ursache bleibt ungeklärt
Nach Angaben von Einsatzleiter Kevin Andresen gilt das Gebäude derzeit nicht als einsturzgefährdet.
Nicht ausgeschlossen werden könne jedoch, dass sich noch weitere Teile des beschädigten Dachgesimses oder der Fassade lösen.
Wann die Bewohner dauerhaft zurückkehren können, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Zunächst müssen Statiker und weitere Sachverständige das rund 130 Jahre alte Gebäude weiter untersuchen. Auch das angekündigte Bodengutachten soll Aufschluss darüber geben, wodurch die Schäden entstanden sind und welche weiteren Maßnahmen notwendig werden.
